Lavendel

Lavendel zählt zweifelsohne zu einem der bekanntesten Kräuter. Die wohlriechende Pflanze mit ihren violetten Blüten ziert viele Balkone, Gärten und Fensterbänke. Doch der Lavendel kann weitaus mehr als nur hübsch aussehen. Als Heilkraut lindert er viele Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Nervenschwäche oder Migräne. Auch in der Küche lassen sich Blätter und Blüten für viele Gerichte verwenden.

Der echte Lavendel (Lavandula angustifolia, mitunter auch Lavandula officinalis) ist ein Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceae). Er gehört ferner zur botanischen Unterfamilie Nepetoidaea, der viele andere bekannte Kräuter wie RosmarinSalbeiBohnenkraut oderPfefferminze angehören.

Die Gattung der Lavendelpflanzen (Lavandula) umfasst mehr als 30 verschiedene Lavendelarten. Neben dem echten Lavendel sind der Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas), der breitblättrige Lavendel (Lavandula latifolia) sowie der französische Lavendel (Lavandula dentata) bekannte Vertreter dieser Gattung.

Verwendung

Der Lavendel sieht nicht nur gut aus, er ist auch ein ausgesprochen vielseitiges Nutzkraut. Als Duftstoff findet er in zahlreichen kosmetischen Produkten Anwendung. Als Küchenkraut verleiht Lavendel vielen mediterranen Gerichten eine pikante Note und als Heilkraut kann er mitunter kleinere Wunder bewirken.

Lavendel in der Küche:

Lavendel gilt als ausgezeichnetes Küchenkraut, welches für viele Rezepte genutzt werden kann. Verwendung finden dabei sowohl die Blüten, die Blätter als auch ganze Zweige. Es sollte immer darauf geachtet werden, den echten Lavendel (Lavandula angustifolia) zu verwenden und nicht etwa den Schopflavendel. Der echte Lavendel hat einen unverwechselbaren würzigen und kampferartigen Geschmack, der bisweilen blumig und leicht bitter ist.

Frische Lavendelzweige aromatisieren beispielsweise Fleischgerichte aller Art. Einen hervorragenden Geschmack entwickeln Hühnchen-, Lamm- und Fischgerichte, wenn Lavendel mit Thymian oder Rosmarin kombiniert wird.

Gerebelte oder gehackte Lavendelblätter sorgen in vielen Käsesorten wie Ziegenkäse, Weichkäse, Gorgonzola oder Raclette-Käse mit Lavendel für einen raffinierten Geschmack. Auch für deftige Cremesuppen eignet sich das Aroma von Lavendel. Prinzipiell sollte mit der Dosierung immer sehr sparsam umgegangen werden, da die Blätter meist sehr aromatisch sind und einen intensiven Geschmack erzeugen.

Lavendelblüten werden häufig auch für Süßspeisen verwendet. Beispielsweise können Obstsalate, die Beerenfrüchte erhalten, ein ganz ausgezeichnetes Aroma entfalten, wenn einige wenige Lavendelblüten beigemischt werden. Lavendel eignet sich auch ganz hervorragend für Kuchen (z.B. Guglhupf ), Trüffel sowie für Eis.

Als Besonderheit gilt Lavendelhonig, der lieblich schmeckt und ein feines Blütenaroma besitzt. Bei qualitativ hochwertigen Honigsorten kommt der Lavendelgeschmack fein zur Geltung. Lavendelhonig gilt aufgrund seiner vielen Mineralstoffe zudem als sehr gesund.

Gerebelte Lavendelblätter sind gelegentlich in Kräutermischungen wie Kräuter der Provence enthalten. Allerdings ist das Kraut keine Zutat in der originalen französischen Kräutermischung. In vielen Quellen wird zwar Lavendel als Zutat aufgeführt, dies scheint jedoch eher eine deutsche Eigenart zu sein, die Kräuter der Provence mit Lavendel zu vermischen.

Lavendel als Heilkraut:

Der echte Lavendel blickt als Heilkraut auf eine lange und eindrucksvolle Geschichte. Den Römern, Ägyptern und Griechen galt der Lavendel als nahezu heiliges Kraut. Im römischen Militär wurde die Pflanze u.a. als Wundheilungsmittel und Stimulans verwendet. Sowohl Griechen als auch Römer verwendeten Lavendel als Zutat für ihr Badewasser. Der römische Arzt Dioskurides hat in seinem Buch Materia Medica (1. Jahrhundert n. Chr.) bereits ausführlich über den Lavendel und seine Anwendungsmöglichkeiten berichtet.

Das Kraut sowie dessen Heilwirkung wurde auch in den europäischen Ländern bekannt, so dass er in vielen Klostergärten kultiviert wurde und auch bei vielen Erkrankungen und Beschwerden zur Anwendung kam. Hildegard von Bingen beschrieb den Lavendel als warmes und trockenes Kraut, welches von ihr u.a. bei Lungen- und Leberkrankheiten sowie bei psychologischen Befindlichkeiten verabreichtet wurde. Paracelsus kannte bereits seine beruhigende Wirkung und setzte das Kraut als Sedativum sowie zur Behandlung bei Herz- und Verdauungsbeschwerden ein.

Das Heilkraut findet in nahezu allen mittelalterlichen Kräuterbüchern Erwähnung. Im Kräuterbuch von Pietro Andrea Matthioli (spätes 16. Jahrhundert) wurden zahlreiche innerliche wie äußerliche Anwendungen beschrieben. So wurde Lavendel u.a. dafür eingesetzt, um Lähmungen, Krämpfe, Magenbeschwerden sowie Leber- und Milzkrankheiten zu behandeln. Dort wurde empfohlen, den Lavendel in Wein oder Wasser zu sieden (Tee) und zu trinken oder als Schnaps (gebranntes Wasser) auf die Pulsadern zu streichen.

Außerdem wurde der Lavendel bei verschiedenen Zahnkrankheiten, bei Sprachproblemen sowie bei Gliederschmerzen empfohlen. Ebenso wurde er bei Schwangeren, die Beschwerden durch Wehen haben, verabreicht. Bei letzterem wurden pure Lavendelzweige auf dem Bauch gelegt.

Heute findet der Lavendel vor allem bei nervösen Unruhezuständen, leichten Depressionen, Schlaflosigkeit sowie als leichtes Beruhigungsmittel Anwendung. Die einschlaffördernde, sedative und muskelentspannende Wirkung des Lavendels wurde in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt. Verantwortlich für die beruhigende, sedative Wirkungen sind bestimmte ätherische Öle im Lavendel, v.a. der Stoff Linalool.

Neben der beruhigenden Wirkung wirken die Inhaltsstoffe des Lavendels zudem antibakteriell (u.a. Shigella, Staphylococcus aureus, Escherichia coli), antifungizid, galletreibend sowie krampflösend. Für die antibakteriellen und antifungiziden Eigenschaften sind vor allem die ätherischen Öle verantwortlich. Je nach Sorte und Anbaugebiet können mehr als 40 ätherische Öle vorkommen. Die galletreibenden Eigenschaften werden vor allem durch die enthaltenden Gerbstoffe bewirkt.

Angewendet wird Lavendel in der Naturheilkunde heute wie damals als Tee oder als Badezusatz. Weitere Darreichungsformen sind die Aromatherapie mit ätherischen Ölen oder die Verwendung von Lavendelkissen.

Zubereitung von Lavendel-Tee

Für die Zubereitung von 250 ml Lavendeltee werden ein gestrichener Esslöffel Lavendelblätter oder –blüten mit 250 ml kochend heißem Wasser übergossen. Der Tee sollte wenigstens 7 Minuten, aber nicht länger als 10 Minuten ziehen. Der Tee sollte nach Möglichkeit nicht gesüßt werden.

Lavendeltee kann bei nervösen Unruhezuständen, bei Schlaflosigkeit sowie bei kleineren Magen- und Darmbeschwerden wie Völlegefühl oder Durchfall getrunken werden.

Für die Zubereitung eines Kräuterbads mit Lavendel sollten etwa 40 bis 50 Gramm Lavendelblüten mit einem Liter kochendem Wasser in einem Behälter übergossen werden und etwa 15 Minuten ziehen gelassen werden. Der Behälter kann dann in die vor gefüllte Wanne gegossen werden. Auch wenn das Lavendelbad durchaus entspannungsfördernd und beruhigend ist, sollte das Bad nach spätestens 25 Minuten beendet werden.

Einige Inhaltsstoffe des Lavendels könnten auch bei der Behandlung des so genannten Hodgin Lymphoms helfen. Unter Laborbedingungen konnten Lymphomzellen in ihrem Wachstum (Proliferation) gehemmt werden.

Ein weiterer medizinischer Forschungsansatz ist die Anwendung von Lavendelextrakten bei der Alzheimer-Erkrankung. Beispielsweise könnten Lerndefizite bei Alzheimer-Patienten vermindert werden, oder das Enzym Acetylcholinesterase, welches bei der Entstehung und Fortschreiten der Krankheit eine Rolle spielt, nachhaltig gehemmt werden.

Hinweis: Eine Überdosierung von Lavendeltee über einen längeren Zeitraum sollte vermieden werden. Lavendelöl sollte niemals pur eingenommen werden, denn es kann im Magen zu Reizungserscheinungen führen.

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